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BEIM TIERSCHUTZ HABE ICH MEHR ÜBER DIE MENSCHEN GE...

BEIM TIERSCHUTZ HABE ICH MEHR ÜBER DIE MENSCHEN GELERNT

Wer mich ein wenig kennt – und dafür muss man mich wirklich nicht mal besonders gut kennen – weiss, dass mein Herz für Tiere schlägt. Ich wollte mich schon immer im Tierschutz engagieren, aber wusste lange nicht, wie ich dies zusätzlich zu meiner Arbeit tun kann. Irgendwann bin ich beim Recherchieren im Internet auf Ana gestoßen. Mich faszinierte die Geschichte, dass ein 13jähriges Mädchen Straßenhunde in Rumänien rettet. Ich habe sie einfach auf gut Glück kontaktiert und mir wurde auch prompt geantwortet. Damals hat Ana gerade pausiert, weil sie für die Schule lernen musste. Aber seitdem stehen wir in Kontakt und nun ist ihre Organisation SOS Dogs Romania mittlerweile auch zu meinem Herzensprojekt geworden.

Ich wollte mich schon immer im Tierschutz engagieren und mittlerweile nimmt SOS Dogs Romania einen großen Teil in meinem Leben ein.

Es fing damit an, dass ich ihre Beiträge geteilt habe und Sachspenden nach Rumänien geschickt habe. Irgendwann reichte mir dies nicht mehr und ich sammelte mit meinem Freund im Familien- und Bekanntenkreis Sach- und Futterspenden. Wir wollten es wagen. Nach Rumänien fahren und das Shelter besuchen. Das war unser Plan. Es scheiterte an der langen Fahrzeit. Wir entschieden uns, stattdessen nach Österreich zu einer Tierschutzorganisation zu fahren, die in Rumänien den Tötungshunden hilft. Das war eine erste, prägende Erfahrung. Auch Ana arbeitete damals mit diesem Verein noch zusammen. Und so hielt unser Kontakt.

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Irgendwann entschied ich mich, dass ich Futterpate für einen ihrer Hunde werden möchte. Ich teilte mir die Patenschaft mit zwei anderen Frauen und wir beschlossen, dass wir an der Patenschaft festhalten wollte, auch wenn unser Schützling bereits vermittelt ist. Mittlerweile hatte ich auch eine kleine Facebook-Gruppe, die wir für das Sammeln der Sachspenden für unseren Trip nach Österreich genutzt hatten. Hier postete ich regelmäßig die Updates von SOS Dogs Romania rein. Und natürlich gingen mir meine Patenhunde immer besonders nah ans Herz und ich fieberte mit ihnen mit, dass sie bald ein Zuhause finden würden.

Jeder Patenhund wuchs mir sehr ans Herz.

Kurz bevor meine Romy das Licht der Welt erblickte, bekam ich eine Mail von Ana, die nicht mehr weiter wusste. Es wurden keine Hunde mehr adoptiert und es war auch keine Pflegestelle aufzutreiben. Also entschied ich, dass ich einen von Anas Hunden für ein paar Wochen bei uns aufnehmen würde und meine Wahl fiel sofort auf die kleine Gretel. In das Dackel-Mischlings-Mädchen hatte ich mich bereits verguckt, als sie noch ein Welpe war. Mittlerweile war Gretel neun Monate alt. Meine Geschichte über die Zeit mit Gretel könnt ihr hier lesen. Es war jedenfalls eine so besondere und schöne Zeit. Ich vermisse die kleine Hündin noch immer, bin aber unendlich froh, ein tolles Zuhause für sie gefunden zu haben. Mit den Adoptiveltern von Gretel ist mittlerweile eine Freundschaft entstanden und ich sehe sie noch in regelmäßigen Abständen.

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Ich bot Ana meine Hilfe für graphische Sache während der Elternzeit an. Und es fing mit einem Logo an und ging weiter mit der Website für SOS Dogs Romania. Und irgendwie habe ich dann noch die Anfragen für die Hunde übernommen. Es ging weiter mit Vorkontrollen und der Vermittlung. Relativ schnell habe ich gemerkt, dass es wahnsinnig viel Arbeit ist und durch Hilfeaufrufe kamen mehr ehrenamtliche Mitarbeiter hinzu.

Tierschutz ist ein Vollzeitjob.

Obwohl anfangs die Struktur fehlte, haben wir uns mittlerweile eingegroovt. Die Arbeit ist zeitweise echt viel, macht aber auch sehr viel Spaß. Besonders wenn man das Resultat sieht: ausgereiste Hunde, die nicht mehr um ihr Leben fürchten müssen. Was ich aber auch gemerkt habe, die Tiere sind so gut wie nie das Problem. Die Menschen hingegen schon.

Während wir anfangs noch keinen wirklichen Durchblick hatten, wie wir die Spreu vom Weizen trennen sollten, gibt es mittlerweile eine Selbstauskunft und Vorkontrollen. Plus die anschliessende Nachversorgung mit einer Telefonseelsorge. Wir sind wirklich gut aufgestellt. Denkt man. Aber was man im Tierschutz sehr schnell lernt. Es gibt immer neue Probleme. Und letztendlich ist es ein permanentes Katastrophenmanagement.

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Ich habe bis heute noch nicht begriffen, warum dies so ist. Aber ich glaube, es liegt an der falschen Selbstwahrnehmung vieler Menschen und an den falschen Wunschvorstellungen gegenüber der Hunde. Wenn man es mal lieblos betrachtet, dann ist Tierschutzarbeit die Vermittlung von beschädigter Ware. Es klingt wahnsinnig herzlos, wenn man es so formuliert. Denn natürlich sind alle Hunde, die wir vermitteln ganz wunderbare Seelchen. Aber sie haben eben einiges erlebt. Und kennen das Leben, das hier auf sie wartet noch nicht.

Unsere Hunde sind beschädigte Ware.

Von der Ungeduld vieler Menschen bin ich einfach immer wieder überrascht. Von der Empathielosigkeit ganz zu schweigen. Die Hunde werden, um in ihr neues Zuhause gebracht zu werden, aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen. Sie müssen einen langen Transport erdulden, ohne zu begreifen, was eigentlich geschieht. Dann kommen sie völlig verschreckt in ihrem neuen Zuhause an und verstehen die Welt nicht mehr. Aber von den Erwartungen ihrer neuen Besitzer sollen sie am Besten gleich verkuschelt, stubenrein, leinenfähig und unkompliziert sein. Ein Hund, der nicht sofort alleine bleiben kann?! Wie soll das denn bitteschön im Alltag gehen? Er passt leider doch nicht so in die Familie. Könnt ihr ein neues Zuhause für den Hund suchen? Da findet ihr doch bestimmt schnell jemanden.

SOS Dogs Romania, Hunde, Vermittlung, Charity, Tierschutz, Organisation, Rumänien

Obwohl die Leute anfangs die nettesten Menschen unter der Sonne sind, versprechen, eine Hundeschule zu besuchen und schwören, dass sie viel Geduld für die Eingewöhnungszeit aufbringen. Wenn das geliebte Spielzeug erst mal nicht mehr gewollt wird, könnt ihr euch gar nicht vorstellen, wie schnell die freundliche Fassade schwindet. Alles, woran die Leute noch denken, dass sie sich ja nicht schlecht fühlen wollen. Sie haben schliesslich schon einiges in Kauf genommen. Wie es dem Vierbeiner geht, der nun wieder rumgereicht wird, interessiert nicht wirklich.

Wie schnell die freundliche Fassade doch fallen kann.

Diese Arbeit hat mich viel lernen lassen. Vor allem über die Menschen. Ich könnte von einigen Monaten ganze Bücher füllen mit Geschichten, die man nicht glauben mag. Manchmal zerreisst mich diese Aufgabe. Sie fordert viel ab und hin und wieder würde man am liebsten alles hinschmeissen. Aber jedes Tier, dass es geschafft hat, gibt einem neue Motivation. Deswegen machen wir in unserem kleinen Team weiter. Und ich kann mir mein Leben ohne den Tierschutz gar nicht mehr vorstellen. Es sind so viele Hunde da draußen, die uns brauchen.

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Alle Hunde von den Fotos suchen noch ein neues Zuhause. Ihr findet sie hier auf der Website von SOS Dogs Romania.

xxbina

Photocredit: SOS Dogs Romania

 

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  1. Toll, dass du so offen darüber schreibst! Und danke, dass ich ein kleiner helfender Teil sein durfte!

    • Bina

      24 Juni

      Ich dank dir, dass du mitgeholfen hast. Die Vorkontrollen sind so wahnsinnig wichtig für die Vierbeiner.

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