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Es ist Zeit, politisch zu sein!

Es ist Zeit, politisch zu sein!

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Als die Fashion Changers dazu aufgerufen haben, Beiträge zur aktuellen politischen Lage zu schreiben und sich klar gegen rechte Stimmungsmache zu positionieren, wollte ich sofort dabei sein. Nun sind viele Beiträge online gegangen. Persönliche, kämpferische, motivierende und drastische. Ich habe mich gefragt, was kann ich euch zu diesem Thema Neues sagen? Vielleicht nichts Neues. Aber es ist wichtig, dass wir uns gegen rechtes Gedankengut wappnen. Ganz tief in unserem Bewusstsein. Immer und immer wieder. Deswegen muss ich diesen Beitrag schreiben. Ihn wie ein Mantra sehen und vielleicht einfach nur eine Wiederholung runterschreiben. Aber wenn ich eine Person mehr mit meinem Beitrag erreiche, dann hat sich dieser Post schon gelohnt.

Wir können es uns nicht mehr leisten, keine Stellung zu beziehen. Die Gegenseite tut es und sie macht es laut.

Vor diesem Beitrag habe ich in meinen Instastories ein paar kleine Umfragen gemacht. Natürlich sind diese nicht repräsentativ, aber ich fand sie dennoch sehr aufschlussreich. Ich habe in die Runde gefragt, warum Leute nicht auf Demos gehen. Ein Grund, den viele genannt haben, war, dass sie Angst vor Ausschreitungen haben. Dann habe ich eine längere Nachricht von einer Followerin bekommen, die meinte, dass sie sich eher in Ruhe mit dem Gegenüber hinsetzen und die richtigen Fragen stellen möchte. Vom Prinzip her klang das erst mal nicht falsch. Also habe ich darüber nachgedacht.

Ich dachte, natürlich wäre es schön, wenn man seinen Protest in Ruhe und eher leise machen könnte. Man spart es sich, Plakate zu malen, muss nicht auf eine Demo laufen und beim Sprechgesang mitgrölen. Klingt viel bequemer und auch netter. Aber die Gegenseite – wenn man das jetzt mal so nennen kann – ist schon auf der Straße. Und sie ist laut. Wenn also diejenigen, die sich eine offene und tolerante Welt wünschen, Zuhause bleiben und nichts machen, nicht auf die Straßen gehen, dann haben wir bereits verloren. Dann ist die Stimme der Straße ein rechter Parolengesang. Und selbst wenn wir uns auf Zweiergespräche einigen könnten, wann und wo finden solche Begegnungen statt? Viel zu selten bietet sich einem eine solche Chance.

Sollten wir auf Demos gehen? Meine Antwort ist ein klares Ja!

Mein Antwort darauf, wie Haltung zeigen aussehen muss, habe ich mir also selbst beantwortet. Gehe ich auf Demos? Ja! Nehme ich meine Familie mit? Wenn es eine “familienfreundliche” Demo ist, aber sowas von. Romy kann nicht früh genug lernen, dass es gut ist, sich für etwas einzusetzen. Für die hoffentlich richtigen Dinge natürlich. Wir haben also keine Wahl. Unpolitisch zu sein ist nicht zeitgemäß. Wer glaubt, dass rechte Meinungen es ohnehin nicht in die Gesellschaft schaffen, blendet die Realität aus.

Die Realität ist nämlich schon bräunlich verfärbt. Es ist in der gesellschaftlichen Mitte angekommen, dass man dreckige Rassismuszoten am Stammtisch äußert. Wer dagegen spricht, wird lapidar als Gutmensch abgetan. Ich habe schon oft entgegen geschmettert bekommen, dass ich mich nicht wundern muss, wenn wir Frauen bald von Flüchtlingen gejagt werden.

Wenn man die Ängste zulässt, dann werden diese auch bestätigt.

Aber woher kommen diese Ängste und die Stimmungsmache gegen Menschen, die vermeintlich anders aussehen? Ich bekomme im eigenen Umfeld durchaus auch Bedenken mit. Was ist, wenn diese Menschen uns etwas wegnehmen? Uns oder unseren Kindern etwas antun? Statistisch gesehen ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass uns durch jemandem mit Migrationshintergrund Leid zugefügt wird. Dennoch sind die Nachrichten voll damit. Woran das liegt? Die Medien spiegeln eben das wider, was die Gesellschaft sehen will. Anscheinend ist das derzeit die große Gefahr für alle westlichen Länder: die Bedrohung durch Flüchtlinge. Das will uns auch eine Partei weis machen, die laut Umfragen, derzeit die zweitstärkste ist und die mit Sicherheit keine Alternative für Deutschland darstellt.

Wenn man erst mal diese Ängste zulässt und sich damit in den sozialen Medien bewegt, ist man scheinbar auch schon in dem Sog drin. Menschen, die wissen, wie sie einen manipulieren können, haben sich diese Tools für ihre Zwecke zu eigen gemacht. Der Algorhythmus erkennt die Ängste und bringt daraufhin nur noch News, die uns darin bestärken. Es geht dabei keinesfalls darum, Straftaten von Flüchtlingen zu ignorieren – es geht nur darum, diese Geschehnisse in die richtige Relation zu setzen. Schwarze Schafe gibt es überall. Davor ist keine Hautfarbe gefeit.

Einfache Antworten gibt es nicht. Wir sollten es dennoch besser wissen.

Aber anstatt einfache Antworten auf schwierige Fragen zu akzeptieren, sollten wir besser in uns horchen und wissen, dass Hilfeleistung keine Bedrohung darstellen darf. Es darf nicht sein, dass man lieber Menschen ertrinken lassen möchte, als humanitäre Hilfe zu leisten. Die Menschlichkeit ist vielen an dieser Stelle abhanden gekommen – mal ganz abgesehen davon, dass wir ebenfalls einen Teil zu der Flüchtlingskrise beigetragen haben, nun aber die Suppe nicht mehr auslöffeln möchten.

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Ich möchte solch schreckliche Gedanken und irreführende Ängste jedenfalls nicht zulassen. Ich muss es besser wissen. Weil die Geschichte uns das lehren sollte. Immer wieder die gleichen Fehler zu machen und mit einem anderen Ergebnis zu rechnen, ist die Definition von Wahnsinn. Ich möchte die Menschen, die zu uns kommen aus der anonymen Masse herausholen und sie als das sehen, was sie sind: Menschen die vor schlimmen Zuständen geflohen sind, um ihr Leben fürchten mussten und bei uns Zuflucht suchen. Und wenn wir es als Gesellschaft nicht hinkriegen, dass wir diesen Menschen unsere Hände reichen, dann haben wir versagt. Für mich persönlich ist das keine Option. Also gehe ich auch auf die Straße und positioniere mich dann eben auch lautstark.

Ich habe zudem eine persönliche Geschichte mit einer Flüchtlingsfamilie erlebt. Hier findet ihr meinen Beitrag dazu.

Weitere Beiträge zu der Initiative #bloggergegenrechts findet ihr auch hier:

Jana von Not Another Woman Mag

Alf-Tobias Zahn von GROSSVRTIG
Laura Mitulla von The Ognc
Jenni Hauwehde von Mehr Als Grünzeug
Bina Nöhr von Stryletz
Vreni Jäckle von Jäckle & Hösle
Maren Teichert von Minza Will Sommer
Ester Rühe und Anna Kessel von Die Konsumentin
Nina Lorenzen von Pink&Green
Phoebe Nicette von Phoenomenal
Franziska Schmid von Veggie Love
Johanna Misfeldt von Mintundmeer
Justine Siegler von Justine Kept Calm And Went Vegan
Mia Marjanovic von heylilahey
Peppermynta Mag
Sophia Hoffmann, vegane Köchin und Bloggerin

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Fotocredits:
Alf-Tobias Zahn, fotografiert von © René Zieger
Phoebe Nicette, fotografiert von © Lydia Hersberger
Vreni Jäckle, fotografiert von © Anna Steinert
Franziska Schmid, fotografiert von © Grit Siwonia


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