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FRÜHSTÜCK MIT TICOS ORCHESTER

FRÜHSTÜCK MIT TICOS ORCHESTER

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Am Sonntag überraschte uns der Winter dann doch nochmal so richtig. Und bei klirrender Kälte habe ich mich mit einer richtigen Herzensband in Omas Apotheke in der Schanze getroffen. So hatte ich ein Frühstücksdate gleich mit fünf Jungs. Aber die Band von Ticos Orchester (Tico – Vocals, Gitarre // Ciro – Oboe // Max – Kontrabass, Background Vocals // Niels – Schlagzeug // Bernd – Akkordeon, Background Vocals) hat mich sehr freundlich empfangen, ganz selbstverständlich in mein Aufnahmegerät gesprochen und alle meine Fragen beantwortet. Wir haben uns anlässlich ihres ersten Videos zu dem Song „Yeah“ getroffen. Und da war es doch mal an der Zeit, Tico und den anderen Vagabunden auf den Zahn zu fühlen.

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Wie seid ihr denn überhaupt zur Musik gekommen und wie habt ihr einander gefunden?

Tico: Ich habe zu meinem zwölften Geburtstag eine Gitarre geschenkt bekommen und meine Musiklehrerin hat mir vorgeschlagen, eine Band mit Mitschülern zu gründen. Also habe ich eine Schulband gegründet und von dort aus immer weiter Musik gemacht.

Niels: Ich bin vom Musikfan zum Musiker geworden. Ich war früher ein großer Fan der Toten Hosen und darüber kam die Leidenschaft zur Musik und zum Schlagzeugspielen.

Bernd: Ich komme aus Süddeutschland und dort ist das Akkordeon sehr verbreitet, also habe ich mit sieben angefangen, Akkordeon zu spielen. Das war früher aber eher volkstümlich. Ich finde dieses Projekt so interessant, weil es Pop ist, weil die Texte auf deutsch sind und weil eine Bühnenperformance stattfindet, die mir unheimlich viel Spaß bereitet.

Wie würdet ihr die Musikrichtung von Ticos Orchester beschreiben?

Tico: Wir fanden es auch immer schwierig, die Musikrichtung zu betiteln. Haben sie dann selber Vagabunden-Pop getauft, weil die Musik wie ein Vagabund kein richtiges Zuhause hat, sondern immer eine Reise macht. In der Musik kann man auf jeden Fall viele Einflüsse hören, wie z.B Elemente aus dem Balkan.

Niels: Manchmal tauchen sogar klassische Elemente auf.

Max: Teilweise höre ich in unserem Song „Yeah“ sogar House-Einflüsse raus, die allerdings natürlich akustischer Natur daherkommen.

Wie schreibt ihr die Songs und woher nehmt ihr die Inspiration?

Tico: Bereits vor Ticos Orchester war ich als Singer/Songwriter unterwegs und habe aus dieser Zeit einige Songs in die Band eingebracht, die wir dann gemeinsam aufgearbeitet haben. Mittlerweile arbeiten wir musikalisch gemeinsam an den Songs.

Niels: Die Texte stammen aber alle von Tico.

Was ist genau deine Inspiration?

Tico: Meistens sind es persönliche Erfahrungen, andere Musik oder das Jammen mit Freunden, was mich inspiriert. Bestimmte Melodien oder Harmonien lösen ein besonderes Gefühl bei mir aus und daraus entsteht dann der Text.

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Was sind eure eigenen musikalischen Vorbilder? Was war euer erster Tonträger?

Max: Ich bin über meinen Vater zum Blues gekommen. Und als ich fünfzehn/sechszehn war, habe ich mich auch sehr für Pink Floyd und Jimi Hendrix interessiert.  Mittlerweile beeinflusst mich durch meine Freundin auch griechische Musik.

Tico: Mein erster Tonträger wurde mir von einer Platte auf eine Kassette überspielt und das war Michael Jacksons „Bad“. Das war mir immer peinlich vor meinem Vater, weil Michael Jackson immer so obszön gestöhnt hat.

Ciro: Bei mir war es ein typischer Sommermix. Sonst aber eher klassische Musik, spanische Popmusik oder die traditionelle Musik Valencias „Pasodobles“.

Was war euer interessantestes Erlebnis verbunden mit Musik?

Ciro: Auf einem Festival-Auftritt von Ticos Orchester in Bad Oldesloe wollte das Publikum ein Solo von mir haben. Ein Oboen-Solo auf einem Popmusik-Festival: Das hatte ich nicht erwartet.

Tico: Die schönsten Momente hatte ich im letzten Jahr mit Ticos Orchester. Im Rahmen der Altonale haben wir auf einer Barkasse gespielt, sind in den Sonnenuntergang gefahren und die Leute haben alle auf diesem Schiff zu unserer Musik gefeiert.

Niels: I Gerade im letzten Jahr durften wir in ganz unterschiedlichen Locations spielen. Von großen Bühnen wie z.B. auf der Kieler Woche über einen Kinosaal, auf einer Barkasse bis hin zu Locations, in denen man sich schon fast übereinander stapeln musste. Allesamt hatten ihren eigenen Charme und haben bleibende Eindrücke hinterlassen.

Mal eine andere Frage zwischendurch: Wenn die Woche einen 8. Tag hätte, was würdet ihr machen?

Tico: Das gleiche, was ich am siebten wahrscheinlich auch machen würde. (lacht) Mehr Musik würde ich machen.

Bernd: Es bleibt immer so viel banaler organisatorischer Kram liegen. Dafür hätte ich gerne einen Tag mehr.

Max: Da stellt sich die Frage, ob nur ich einen Tag mehr hätte oder auch alle anderen. Das würde natürlich eine Rolle spielen. Ich würde aber auf jeden Fall auch mehr Musik machen.

So, letzte Frage für heute: Worum geht es in dem Song „Yeah“ und dem dazugehörigen Video?

Tico: Der Song selbst ist eine Art Generationsporträt mit all den Freuden, Ängsten und Zweifeln, die wir in uns haben. Für uns ist es der Song, mit dem wir uns gerne vorstellen wollten, weil er uns vor allem live unheimlich Spaß macht. Im Video geht es um eine Junge Frau, die traurig an der Elbe sitzt und ihn als Wunschbrunnen nutzt, indem sie eine Münze hineinwirft. In dem Moment fängt das Orchester an in ihrem Kopf zu toben und lässt sie mit einem Hula-Hoop durch die Stadt tanzen. Zum Schluss tanzt und feiert sie mit uns zusammen: in ihrem eigenen Kopf quasi. Klingt etwas verrückt, wenn man es beschreibt.

Max: für mich stellt das Video eigentlich einen Kontrast zu dem Text dar, was es wiederum aber stimmig macht. So wirkt der doch kritische Text mehr wie ein  positiver Aufruf.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=TXLLXvWrbsw]

Nach den Fragen saßen wir noch ein wenig zusammen, die Jungs aßen ihr Frühstück auf und wir philosophierten über die Musik. Irgendwann musste ich mich dann aus der kuscheligen Atmosphäre von Omas Apotheke wieder in die Kälte begeben. Ich tänzelte ein wenig zurück zur Bahn, ihre CD in meiner Tasche und den Song im Ohr. Das war bestimmt nicht meine letzte Begegnung mit Ticos Orchester.

xxbina

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