KRITIK AN BLOGGERN // EINE MEINUNG

Bloggerkritik01Vorab: dieses Thema betrifft uns noch nicht persönlich. Noch nicht. Bis jetzt waren alle Leser sehr freundlich und unterstützend und wir sind sehr dankbar, freundlich in der Welt der Blogger empfangen worden zu sein. Aber als ich neulich bei Journelles einen Beitrag las, war ich von der Art der angeblich konstruktiven Kritik sehr schockiert. Es ging um einen Outfit-Post, in dem Jessie Jacken von Stine Goya trägt, die sie anscheinend vorher von diesem Label geschickt bekommen hat. Einige beschwerten sich, dass man nicht mehr erkennen kann, welche Posts gesponsert sind und welche Klamotten noch selbst gekauft wurden. Soweit so gut. Die Leser wünschen sich mehr Transparenz und Authenzität. Dass man es nicht jedem recht machen kann, ist auch klar. Als wohl erfolgreichste Bloggerin Deutschlands weht einem wohl auch mal eine steife Brise um die Nase und nicht nur ein laues Lüftchen. Ich denke, damit sollte man als “Person des öffentlichen Lebens”, zu der man sich selbst gemacht hat, natürlich auch klarkommen. Fragwürdig wird es für mich, wenn die Kommentare persönlicher und angreifender werden, als es nötig ist.

Also quasi ein Shitstorm in der Kommentarfunktion. Generell hat sich mir das Phänomen Shitstorm nie erschlossen. Wie man derart seinen Frust öffentlich abladen kann und bewusst verletzen möchte, leuchtet mir nicht ein. Wenn mir etwas oder jemand nicht passt, dann schaue ich weg (das hier nicht mit dem wahren Leben vergleichen. Wenn auf der Straße etwas schlimmes passiert, darf man nicht wegschauen. Aber um Zivilcourage geht es hier jetzt nicht.). Sich mit etwas nicht befassen, ist meine Ansage: finde ich nicht gut, interessiert mich nicht oder finde ich schlichtweg kacke. Jemanden öffentlich beschimpfen und lächerlich machen (macht man sich damit nicht eher selbst lächerlich?) finde ich unangebracht und ich frage mich, was bezwecken solche Leute damit? Schafft dieses Frustabladen Erleichterung? Verbessert es das eigene Leben? Ändert man dadurch etwas? Versteht mich nicht falsch: wenn man als Blogger einen Outfit-Post oder sonstiges der Öffentlichkeit zugänglich macht, freut man sich natürlich über Feedback und dieses kann und soll auch nicht immer positiv sein. Aber man kann doch Kritik ehrlich und konstruktiv äußern, ohne dabei verletzend zu werden. Man darf an dieser Stelle nämlich nicht vergessen, dass hinter diesen Portalen normale Menschen sitzen, an denen einfach nicht alles abprallen kann. Wer schafft es auch schon, über allen fiesen Kommentaren drüber zu stehen? Immer? Genau! Ich denke, das kann einem einfach nicht gelingen. Jessie von Journelles hat jedenfalls nun die Überlegung, die Kommentare nur noch über Facebook möglich zu machen, sodass die Leser nicht mehr anonym kommentieren können. Soweit ich es gelesen habe, waren hiermit ziemlich viele unzufrieden. Motzen mit dem richtigen Gesicht davor also doch nicht so gerne.

Ich hoffe nicht, dass wir mit unserem kleinen Blog jemals in die Situation kommen, über solch eine Entscheidung nachdenken zu müssen. Hier kann ich jedenfalls die Kommentare vorher lesen, bevor ich sie veröffentliche. Bei einem größeren Blog ist dieses Verfahren sicherlich mehr als zeitraubend. Und ich gehe mit der Intention ran, dass ich alles veröffentlichen möchte. Ich wünsche mir, dass dies so bleibt und freue mich über konstruktive Kritik – aber eben auch über nette Worte. Denn die machen den Alltag doch sowieso schöner, oder?

Was ist eure Meinung zu kritischen, harschen oder gemeinen Kommentaren bei Blogs? Habt ihr schon mal euren Frust irgendwo abgeladen? Mich würde eure Meinung zu diesem Thema waaaaahnsinnig interessieren. Also lasst die Kommentare beginnen.

xxbina

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  1. Romy

    2 April

    Ein sehr schöner Post, meine Liebe!

    Meine Meinung zu dem Thema: Die wohlbekannte Anonymität macht es; gepaart mit einer ordentlich Portion Nichtgönnenkönnen und alles fein garniert mit einem Schuss Hatte-eh-schon-schlechte-Laune.
    Leider haben viele heutzutage verlernt oder noch nie beigebracht bekommen, wie, wann und wo man Kritik äußert. Es gibt doch kaum noch nette Reaktionen: entweder schweigt man oder reagiert mit einem “Ey Aldder, voll kacke man!” – wo soll es denn herkommen?

    Ich habe in der Schule noch beigebracht bekommen: Erst etwas nettes, dann das was nicht gefällt und dann wieder etwas nettes und bitte freundlich mit positiven Worten; damit die Person sich gut fühlt. Heute bekommen unsere Führungskräfte Schulungen darin, tagelang, um zu lernen ihre Mitarbeiter angemessen zu “feedbacken”.
    Ich habe mich mal (da Zug verpasst) mit einem Freund 1,5 Stunden am Berliner Ostbahnhof in die Halle gestellt und den Kiddis bei den Vorbereitungen auf den bevorstehenden Kinderpartyclubbesuch beobachtet. Ich hätte sie so gerne alle geprügelt, mit dem Duden durch die ganze Vorhalle. Und dabei meinen die es ja noch nicht einmal böse – die können nicht mehr anders.
    Wo soll also ein kritischer, aber freundlicher Kommentar der zumeist Teenieleserschaft also herkommen? Wenn mir die Grundlagen zu einer gesellschaftskonformen Kommunikation fehlen, kann ich nicht konstruktiv kritisieren.
    Wenn ich demjenigen nicht gönnen kann, dass er für seine teils stundenlangen Bemühungen einen tollen Blog aufrecht zu erhalten, immer wieder interessant und kreativ zu füllen und auf mich als Leser dabei einzugehen, auch mal von einem Unternehmen hier und da etwas zugeschickt und geschenkt bekommt, dann macht ein Hinweis, das der Post gesponsort ist auch nichts mehr aus – die Zielscheibe ist eröffnet. Wenn die Kleidung selbst gekauft ist, greife ich den Blogger eben an, ob er seine Kohle nicht besser investieren kann oder nicht mal etwas spenden möchte. Wenn er nicht oft und viel shoppen geht, greife ich ihn eben an, ob er nicht mal etwas für seinen Blog investieren und die alten Lumpen austauschen will. Wenn ich den Blogger angreifen will, finde ich etwas und mache das – so sieht es nämlich aus.

    Wer als Blogger das Glück hat bisher nur nette Kommentare bekommen zu haben, kann sich glücklich schätzen. Wer böse erhält.. da muss ich irgendwie sagen: selbst gewähltes Schicksal. Ich hatte glücklicherweise bisher nur unangemessene Kommentare die sich gegen das Thema, nicht aber gegen mich gerichtet haben. Ich weiß aber, dass ich solchen Menschen eine Plattform und Möglichkeit biete und toleriere, dass es sie gibt. Passt mir der Kommentar gar nicht, lösche ich ihn und schreibe den Menschen an, um ihn darauf hinzuweisen, dass er damit einfach auf meinem Blog nichts zu suchen hat. Manch einen interessiert es nicht, manch einer hat sich auch schon entschuldigt. Der Autor des Blogs ist frei Nutzerkommentare zu löschen und die Nutzer zu sperren und sollte davon auch Gebrauch machen. Mein Blog, meine Regeln – der Nutzer ist Gast und benimmt er sich bei mir Zuhause so, schmeiße ich ihn ja schließlich auch raus. Auf solche Leser kann man als Blogger getrost pfeifen.

    Jetzt ist der Kommentar bald länger als dein Artikel und ich könnte auch noch zeilenlang weiterschreiben 😀

    Sonnige Grüße und viele liebe Kommentare wünsche ich Dir, Bina!

    • Bina

      2 April

      Ja, ein wunderbarer, langer Kommentar, der nochmals vieles aufgreift und neue Aspekte mit einbringt! Ich sehe es genauso! Dank dir!

      Liebste Grüße,
      Bina

  2. im Improtheater haben wir ganz zu Anfang eine der folgenden Regeln gelernt: niemand glänzt auf anderer Leute Kosten.

    und ich finde das passt ganz gut zu dem, was Du oben schreibst: unqualifizierte Kritik macht den Kritiker selbst schlecht. er schadet damit mehr sich selbst als dem, den er verletzen will. das kann vielleicht ein schwacher Trost sein, wenn einem so etwas passiert.

    das Internet macht es – auch wegen der Anonymität, da hat Romy Recht – leicht, seinen Frust abzuladen und die Kinderstube zu vergessen. es wird aber auch einfacher, weil sich schnell jemand findet, der einem zustimmt und zu zweit ist man ja schon stärker als alleine, dann multipliziert sich das ganze, steigt exponentiell und schon haben wir einen ausgewachsenen Shitstorm.

    es geht dabei denke ich auch oft gar nicht um den anderen, sondern darum, sich selbst darzustellen. wem etwas, das er liest, nicht passt, der sagt sich “das Blog gefällt mir nicht, hier lese ich nicht mehr mit”. wer einen Fehler findet oder einen Verbesserungsvorschlag anzubringen hat, der spricht den Blogger an… diejenigen, die mit ihren Kommentaren unter die Gürtellinie gehen, die wollen mehr sich selbst profilieren, sich selbst größer fühlen. und haben gleichzeitig nicht den Mumm, diese Energie in eigene Aktivitäten (z.B. einen eigenen Blog) zu stecken.

    für mich geht das weiter, als dass sie nicht mehr wissen, wie man kritisiert. das zeigt eines der vielen Dilemma unserer Zeit, die durch den hohen Medienkonsum noch befeuert wird: wie definiert man den eigenen Wert? (Hallo Neid, Hallo Unsicherheit)

    Meine Oma hätte dazu die folgenden Sprichwörter beigesteuert:
    – wie es in den Wald ruft, so schallt es heraus
    – was Du nicht willst, das man Dir tu; das füg auch keinem andern zu

    Liebe Grüße,
    Natalie

    • Bina

      2 April

      Liebe Natalie, dank dir für deinen wundervollen Kommentar! Das spiegelt meinen Beitrag sehr gut wider.
      Liebst, Bina

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