LIKE A GIRL // ABER MIT SCHMACKES

likeagirlDa wir uns momentan eh mehr mit dem männlichen Geschlecht und rollenden Bällen, die ins Eckige sollen, befassen, kam mir eine virale Werbung von always gerade recht, um mich endlich mal wieder mit der eigenen Geschlechterrolle zu befassen. Um kurz zu beschreiben, worum es in dem Video geht: ein Casting mit hauptsächlich jungen Mädels, die eine Regieanweisung bekommen wie “Run like a girl”. Erste Assoziation: sei dumm, renn wie ne humpelnde Kröte und fass dir dabei mehrmals an die imaginären Zöpfchen begleitet von leichtem Gekichere und debilem Gegluckse. Mission geglückt denken sich die gecasteten Mädchen. Doch dann wird ihre Schauspielerei hinterfragt: warum denkst du, dass “like a girl” bedeutet, sich dumm anzustellen. Anscheinend dümmer als hätte man “like a boy” als Regieanweisung gegeben.

Ja, da gucken dann auch alle ganz blöd aus der Wäsche, warum man dieses herablassende Schauspiel veranstaltet hat. Aber dann kommt die Rettung: ein junges Mädchen macht es richtig. Mit Schmackes. “Run like a girl” bedeutet für sie einfach, lauf verdammt schnell. Mach es besser! Und oha: allen geht ein Licht auf und sie zeigen, wieviel Frauenpower in ihnen steckt. Dass “like a girl” nicht dummes Gehabe bedeuten muss. So weit, so gut. Diese Werbung trifft mit der Emotionalität natürlich einen Nerv und auch ich hab leichte Gänsehaut gehabt – aber das liegt daran, dass ich sowieso eine Schippe Emotionalität zuviel abbekommen habe. Denn natürlich ist dies eine geschickte Werbung, die einfach funktioniert. Über 26 Millionen haben dieses Video bereits bei youtube gesehen. Glückwunsch always!

Trotzdem ein guter Aufhänger, um sich mal Gedanken über unsere eigene Stärke, unsere Rolle und Unterschiede zum anderen Geschlecht zu machen. Ich bin mit einem älteren Bruder aufgewachsen und habe gerne mit Puppen hantiert und Kleidchen getragen. Aber eigentlich habe ich viel lieber mit Jungs gespielt, im Dreck gewühlt und habe bei allem mitgemacht, was Laune gebracht hat – Schramme hin oder her. Dafür habe ich von Jungs oft Anerkennung bekommen. Wie ein Mädchen aussehen, wie ein Junge raufen. In diesen jungen Jahren habe ich mir allerdings nie darum Gedanken gemacht, ob ich mich nun wie ein Junge oder wie ein Mädchen benehme.

Mit der Pubertät ändert sich da einiges und das Schubladendenken beginnt. Mädchen-Mädchen, coole Sau, Tussi oder Sportskanone. Zack, schneller als man gucken kann, hängt man in diversen Schubladen rum. Aber auch das war mit oft zu dämlich und die Schubladen, in die ich gesteckt wurde, haben irgendwie nie richtig gepasst. Ist doch so: nur weil man sich schminkt, ist man noch lange keine Tussi. Ich bin blond. Ohne Wimperntusche würde man mich ohne Umwege direkt zum nächsten Arzt schicken. Es ist also eine notwendige Maßnahme, die mich vom Charakter her nicht anders macht. Ich packe gerne an, ich kann meine Einkäufe selbst schleppen und fluche manchmal wie ein Bauarbeiter. Trotzdem bin ich auch gerne Mädchen, streichel alle Tiere, die mir über den Weg rennen und gegen ein paar schöne Schuhe habe ich auch nie was gegen einzuwenden.

Was ich sagen will: ich bin gerne ein Mädchen. Und ich bin stolz darauf. Ich mag stereotypische Sachen manchmal einfach gerne und will mir dann auch nicht anhören müssen, dass das doch Mädchenkram sei. Jungs shoppen auch, benutzen Kosmetik oder mögen romantische Filme. Ist #likeagirl also nun schlimm und degradierend? Oder ist es das, was unsere Köpfe daraus machen? Dürfen wir uns nicht der Eigenarten bedienen, die uns gefallen und die unserem Charakter entsprechen? Ob nun wie ein Junge oder wie ein Mädchen kann doch von Sekunde zu Sekunde variieren. Ich will nur einfach den Kopf dabei ausschalten und mich nicht beurteilen lassen. Denn ich hatte immer das Gefühl, dass ich meinen Weg gehen darf und dabei haben mich weder Lackschuhe noch eine Strumpfhose jemals bei eingeschränkt.

Jetzt zeige ich noch schnell besagtes Video und dann bin ich sehr gespannt auf eure Meinung zu diesem Thema! Jungs und Mädels sind herzlich in diese Diskussionsrunde eingeladen.

[youtube=https://www.youtube.com/watch?v=XjJQBjWYDTs]

xxbina

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  1. Romy

    7 Juli

    Ist ein schwieriges Thema; denn ich denke es fängt nicht erst in der Pupertät an. Versuch mal ein paar hübsche Babysachen für ein Mädchen oder einen Jungen zu finden die entweder nicht rosa oder hellblau sind oder, wenn sie eine andere Farbe haben, keine stereotypen Motive aufweisen. Schon Babys werden in Schubladen gesteckt – die passen da auch noch besser rein. Können sie stehen und gehen, werden die kleinen Jungs in den Fußballverein gesteckt und die kleinen Mädchen dürfen ganz freiwillig zum Ballett gehen – Mädchen beim Fußball wäre ok; dann muss sie aber ggf. damit leben nicht von den anderen Mädchen 100% als ebenbürtig, sondern wie von den Erwachsenen verschrien als Wildfang behandelt zu werden und ein Junge der zum Ballett möchte… da zeige mir mal den Vater, dem da nicht zumindest mal ganz kurz das Herz stehen bleibt.

    Eltern haben Erwartungen an ihre Kinder und die sind stereotyp und dahin werden sie gefördert. Kinder, die nichts geschlechtskonforme Hobbys ausführen wollen, müssen mehr dafür kämpfen es machen zu dürfen – Kickboxen statt Ponys? Ausdruckstanz statt Autorennen?

    Die Welt der Kinder ist Gott sei dank noch viel schnelllebiger und abenteuerreicher als die der Heranwachsenden und so können sie die Meinung hinter diesen Stereotypen noch nicht ganz verstehen – sie spiegeln nur die Reaktion der Erwachsenen, nehmen sie aber nicht für sich an.

    Andererseits muss man aber offen gestehen dürfen, dass eben diese Stereotypen uns unterhalten. Nicht nur “wie ein Mädchen”, auch “wie ein Junge”, “wie ein Depp”, “wie ein alter Opa”, “wie ein whatever” – wäre ich Schauspielerin bei einem Casting würde ich ebenfalls übertrieben spielen, denn eine Regieanweisung, die möchte, dass ich renne besagt auch nur “rennen”.. dass diese “wie ein Mädchen” dort rangehangen wird, würde eigentlich jeden dazu verleiten es so zu machen. Komiker arbeiten mit übertriebenen Stereotypen; andersfalls würde keiner lachen – normal ist nicht lustig.

    Man sollte demnach, meiner Meinung nach, dem ganzen auch nicht zu viel Interpretation zukommen lassen. Wenn man das möchte sollte man sich Gedanken um die Rollenentwicklung, die Gesellschaft, die Historie und die Bedeutung eben dieser Geschlechterollen vor Augen führen. Natürlich sollte sich jeder entwickeln dürfen wie er es möchte, aber die Entwicklung hängt nicht nur davon ab, in welche RIchtung man gedrängt würde – andernfalls würde das richtige Geschlecht im falschen Körper nie im Laufe seiner natürlichen Entwicklung anfangen sich geschlechtsfremd zu verhalten… ob nun Junge oder Mädchen.

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