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VEGANER, GUTMENSCHEN, MORALAPOSTEL – ALLES N...

VEGANER, GUTMENSCHEN, MORALAPOSTEL – ALLES NERVENSÄGEN

Seit Freitag spuken mir ein paar Gedanken durch den Kopf. Das habe ich einem Artikel der lieben Julia zum Fair Friday von This is Jane Wayne zu verdanken. Eigentlich ist es ein sehr schöner Beitrag zum Veganismus und dass die Gruppe der Veganer durchaus nerven kann. Klaro. Genauso wie Feministinnen nerven können, Umweltaktivisten, Tierschützer… eben alle Gruppen, die zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen wollen. Es ist eben ein schmaler Grad, die Leute zu erreichen, Aufklärungsarbeit zu leisten, missionieren zu wollen und zu moralaposteln. Schnell gerät die gut gemeinte Mission in Vergessenheit und entlockt dem Empfänger nur noch ein Augenrollen. Also lieber leben und leben lassen? Ich sage: nur bedingt. Denn der Spaß hört leider auf, wenn andere dabei die Leidtragenden sind.

Immer diese Besserwisser, dieses Schubladendenken, Schwarz-Weiss… Wirklich? Ist man verdammt zur Nervensäge, wenn man versucht, etwas besser zu machen?

Um noch mal auf den Artikel zurückzukommen. Ich habe ihn brav gelesen und in einigen Punkten auch selbstkritisch zustimmen müssen. Klar versuche ich hin und wieder bei meinen Liebsten zu missionieren. Ich glaube, nein, eigentlich weiss ich, dass das meine Mitmenschen durchaus nervt. Höre ich deswegen auf damit? Wahrscheinlich nicht. Komme ich so zum Ziel? Bis jetzt hat auch das nicht wirklich Früchte getragen. Aber bin ich deswegen eine intolerante Nervensäge? Das dürft ihr selbst am Ende des Artikels beurteilen.

Was ich nämlich zum Abschluss des Artikels getan habe: ich habe kommentiert. Dass ich diesen Artikel schön fand und dass ich es mir mehr zu Herzen nehmen werde, meinen Mitmenschen, die nicht die gleichen moralischen Ansprüche wie ich habe, toleranter gegenüber zu sein. Dass es mich aber durchaus schon nervt, dass viele Menschen nicht mal den Willen zu einer leichten Veränderung haben. Und das sehe ich auch so, wer sich nicht hin und wieder aus seiner Komfortzone bewegt, seine Verhaltensweisen überdenkt, das Wohl der anderen dem eigenen in jeglicher Weise überstellt, gehört für mich zu den ewig Gestrigen.

Nach meinem Kommentar musste ich nicht lange auf Reaktionen warten. Dass es intolerant sei, wenn ich genervt von einem mangelnden Willen bin. “Ich will mich einfach nicht vegan ernähren”. Ich habe mit meinem Kommentar auch niemanden gezwungen, vegan zu leben. Ich selbst mache hin und wieder vegetarische Ausnahmen. Bin auch nicht 100% fair bei meinen Klamotten. Fahre mit dem Auto. Und bin mit Sicherheit keine Mutter Teresa. Ich konsumiere und lebe in der westlichen Welt. Noch schlimmer: ich arbeite in der Modeindustrie, rege mit meinem Blog zum Kaufen an und designe Kleidung für eine Industrie, die – ehrlicherweise – sich nichts Gutes auf die Fahne schreiben kann. Ja, all das kreide ich mir an. Und dennoch versuche ich etwas.

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Doch zu meiner Verteidigung kann ich anbringen, dass ich nicht wegsehen will. Dass ich unangenehme Wahrheiten mir wieder und wieder ansehe, mich damit konfrontiere, damit ich etwas ändere. Und hin und wieder ziehe ich meine Konsequenzen aus dem, was ich sehe. Was mir mein Mitgefühl sagt und ja, auch was eindeutig richtig und falsch ist.

Diese Sache mit dem richtig und falsch mögen viele einfach nicht, weil es eine Konsequenz mit sich führt. Wenn etwas falsch ist, sollte man es schlicht und einfach lassen, oder? Aber befindet man sich in einer Grauzone, dann kann einem keiner was.

Früher war es für die meisten Leute richtig, Sklaven zu halten. Heutzutage würden die meisten hoffentlich sagen, dass das eindeutig falsch ist. Aber diese Meinungsänderung kam nicht von heute auf morgen. Es musste aufbegehrt werden, die Menschen mussten aufgeklärt werden und erst mal das Verständnis erlangt werden, dass Menschen unterschiedlicher Hautfarbe gleich sind. Es gab sicherlich viele Nervensägen und Moralapostel, die sich gegen die Sklaverei ausgesprochen habe. Gott sei Dank.

Wir Frauen sind heutzutage noch längst nicht gleichberechtigt – besonders wenn man die Situation global betrachtet. Für mich ist das falsch. Ganz einfach. Schublade auf und wieder zu. Und dank der nervigen Feministinnen, die vor meiner Geburt bereits für die Frauen auf die Straßen gegangen sind, hat sich zumindest in einigen Ländern dieser Welt etwas für die Gleichberechtigung getan. Dank dieser moralaposteligen Gruppe.

Die gleiche Sache kann ich für mich bei Tieren anwenden. Die Zeiten, dass wir Tiere für emotionslos und schmerzunempfindlich halten, sind Gott sei Dank vorbei. Aber der Mensch überstellt sich immer noch dem Tier. Klar, kann er ja auch. Tiere haben eben keine laute Stimme, um dagegen zu sprechen. Und was der Mensch kann, das macht er eben auch. Da kommt für mich das eigene Moralempfinden ins Spiel. Ich weiss, dass ich das, was hinter den Mauern der Schlachthöfe passiert, nicht gutheiße. Ich missachte es. Genau wie ich Mord, Vergewaltigung und Unterdrückung missachte. Ja, denn es gibt nun mal doch richtig und falsch. Also muss ich mein Verhalten dahingehend ändern, was natürlich für mich persönlich eine Einschränkung bedeutet. Und wenn ich für mich weiss, dass es nicht richtig ist, dann versuche ich, anderen das auch zu erklären. Das ist für mich ein ganz natürlicher Prozess, dass mich mit Leuten in meinem Umfeld über meine moralischen Werte unterhalte und auch die Werte der anderen abklopfe.

Wenn ich jetzt als intolerant gelte, weil ich chauvinistische, rassistische oder tierfeindliche Menschen nicht in meiner näheren Umgebung haben möchte, dann kann ich damit gut leben. Ich kann damit gut leben, dass ich als Gutmensch, Moralapostel oder Nervensäge bezeichnet werde, nur weil ich versuche, einige Dinge zu ändern, mir bewusst zu machen und darüber auch spreche. Ich spreche nicht darüber, weil ich mir das Bundesverdienstkreuz an meine Brust hängen möchte. Ich empfinde es schlicht und einfach als richtig. Weil ich Menschen bewundere, die sich für Schwächere einsetzen, die aufbegehren, die die Welt ein kleines bisschen zum Positiven verändern möchten.

Ich kann jemand bewundern, der sich anders als ich ernährt, sich aber  zum Beispiel rührend für Flüchtlinge einsetzt. Wenn diese Person aber in einer Diskussion sagt, dass ihm Umwelt, Tiere oder die Gleichberechtigung egal sind, dann kann ich das auch wieder revidieren. Offen und tolerant ist man, wenn man sich Argumente anhört und sich diese auch zu Herzen nimmt. Wenn ein Nichtraucher wie eine Spaßbremse wirkt, so hat er doch einfach alle Argumente auf seiner Seite. Da kann man sich sein: “Ich möchte einfach das machen, was ich will!” an den Hut stecken.

In diesem Sinne: einen schönen Sonntagabend von eurer Nervensäge.

xxbina


  1. Anna

    20 März

    Stimme dir in einigen Punkten gewiss zu – wenn man hinter einer Sache steht, sollte man auch dafür kämpfen. Ich finde es leider gar nicht passend wenn man Themen wie Sklaverei und Unterdrückung von Menschen mit der Fleischindustrie in Relation setzt. Hier treffen ganz andere Dimensionen aufeinander. Für mich persönlich nimmt der Tierschutz einen geringeren Stellenwert in meinem Leben ein, solange es Rassismus, Sexismus und Gewaltverbrechen gegen Menschen gibt. Da setze ich einfach andere Prioritäten. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Grundsätzlich ist jeder Kampf für ein friedliches Miteinander (aller Lebewesen) lohnenswert!

    • Bina

      20 März

      Die meisten Menschen überstellen sich dem Tier, aber für mich steht es außer Frage, dass Tiere Leid empfinden können und die Massentierhaltung kriminell ist. Die Sklaverei ist für mich ein Beispiel, dass sich die Sichtweise auf etwas ändert. Und Unterdrückung bleibt für mich Unterdrückung. Nur weil es nicht unser persönliches Problem ist, heisst es nicht, dass man wegschauen muss.

  2. *thea

    21 März

    Und dann gibts da immer noch Leute wie mich, die nur aufgrund von Blogposts oder anderen Veganern inspieriert wurde, sich mit dem Thema zu beschäftigen und vieles geändert hat. Mitterweile esse ich bestimmt zu 70% vegan – von alleine wäre ich da glaube ich nicht drauf gekommen. Es kommt ja auch immer auf den Ton an, wie man seine Einstellung und Meinung mitteilt. Dass trotz des guten Tones immer so viele aggressiv und genervt reagieren kann ich abolut nicht verstehen. . Was ich am allerwenigsten verstehen kann, dass die Leute, denen das ganze Tierleid anscheinend egal ist, auch noch komplett ausblenden, dass die Massentierhaltung am Ende dem Menschen selbst schadet: Co2, Nitrat im Trinkwasser, abgeholzte Weideflächen, die nur für Futtermittel genutzt werden etc. Also immer schön weiter machen – wenn es nicht beleidigend und informierend ist. lg

    • Bina

      21 März

      Liebe Thea, ich danke dir von Herzen für deine Worte! Denn genau das ist es, warum ich über diese Dinge schreiben möchte: weil vielleicht ein paar Menschen ihre Einstellung zu diesem Thema ändern und das für sie mögliche versuchen. Ich finde es super, dass du 70% schaffst. Selbst wenn man sich für den Anfang vornimmt, hin und wieder einen Veggie-Tag zu machen, ist das doch schon ein Versuch, etwas zu ändern. Es geht den Vegetarier und Veganern schliesslich um eine gute Sache, das sollte man nicht ausblenden. Persönlich habe ich da nichts von. Freu mich, wenn du weiterhin meine Beiträge zu diesem Thema liest und mir hin und wieder auch einen Kommentar hinterlässt, wie du dazu stehst!

  3. Aline

    21 März

    Ich stimme dir vollkommen zu auch wenn ich bisher “nur” den Schritt gegangen bin, mich vegetarisch zu ernähren. Ich für meinen Teil stelle jedoch auch Menschen nicht über Tiere und denke, dass es heutzutage auch ohne Fleisch geht, da es mittlerweile eine riesige Auswahl an Ersatzprodukten gibt. Massentierhaltung ist mit unter das Schlimmste, was es gibt und ich bin entsetzt darüber, wie vielen Menschen diese Problematik sozusagen am Arsch vorbei geht!! Ich denke, dass wir heutzutage einfach nichts mehr zu schätzen wissen, alles ist selbstverständlich – so eben auch der Verzehr von Fleisch und der damit einhergehenden Quälerei unzähliger Tierarten. Ich finde es so schade, dass Menschen sich darüber aber keinerlei Gedanken machen, fernab dem Motto “So ist das nunmal” – Ja, so ist es ABER wir können daran etwas ändern, so dass es “halt nicht mehr so ist!”

    Ich werde bei diesem Thema einfach immer wieder wütend und traurig zugleich, denn so wie ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die genau so denken so weiß ich leider auch, dass es eine Vielzahl mehr nicht tun 🙁

    Liebste Grüße Aline

    • Bina

      21 März

      Liebe Aline, ich danke dir für deinen Kommentar und das ist nicht “nur” ein Schritt, sich vegetarisch zu ernähren. Das ist ein sehr großer Schritt und hilft enorm. Man schafft oftmals nicht gleich die komplette Umstellung und jeder einzelne Schritt in eine bessere Richtung hilft. Ich finde das bewunderswert, dass du zum Wohl der Tiere auf Fleisch verzichtest. Und wie du es geschrieben hast: Mir geht es um die Einstellung, dass man etwas ändern will und einem nicht alles komplett gleichgültig ist.
      Liebste Grüße zurück! <3

  4. anja

    30 März

    Ich bin ehrlich gesagt immer wieder sehr ratlos, wenn es um die Kommunikation zwischen Veganern und Nicht-Veganern geht. Allein der Umstand, dass man selbst irgendwann mal beschlossen hat, keine Tierprodukte mehr zu konsumieren und dabei (mal mehr und mal weniger) konsequent bleibt, scheint einige Leute schon auf die Palme zu bringen. Wie oft muss ich mir ungefragt anhören, wie die eigenen Essgewohnheiten so sind und wenn überhaupt mal Fleisch, wo es gekauft wird, und nur noch ganz selten, aber man engagiert sich ja dort und dort… Da geht dann eine Rechtfertigungsspirale los. Warum? Weil Veganern ständig unterstellt wird, sie würden sich für etwas Besseres halten. Diese Unterstellung geht dann mit dem Vorurteil einher, dass Veganer ja immer so aggressiv und moralisierend seien. Das ist aber echt Bullshit, sorry. Ich selbst äußere mich nur zu meiner Überzeugung, wenn ich danach gefragt werde. Ich habe nämlich keine Lust auf die immer gleichen Diskussionen. Bina, Du rechtfertigst Dich indem Du aufzählst, wo Du doch nicht so ganz konsequent bist, wahrscheinlich weil Du diese Stigmatisierung des “aggressiven Veganers” auch nicht möchtest. Wenn ich jetzt mal ganz Hobbypsychologin sein darf: ich denke, dass Veganer dazu dienen, das eigene schlechte Gewissen zu personifizieren. Da hat man endlich mal jemanden, bei dem man sich rechtfertigen kann und dem man an den Kopf knallen kann, wie unsinnig das mit dem Vegan doch ist. Dann kommen die absurdesten Begründungen, wie, dass Soja das Klima killt etc… Bina, Du schreibst “Und wenn ich für mich weiss, dass es nicht richtig ist, dann versuche ich, anderen das auch zu erklären.” Das finde ich auch. Und wenn man etwas weiß, dann kann man nicht mehr zurück zu “Nicht-wissen”. Wenn ich dann jemandem sagen soll, dass ich es okay finde, wenn er ab und zu Fleisch ist, dann ist das nicht tolerant sondern inkonsequent. Lieben Gruß, Anja

  5. NeKa

    22 Mai

    Auch ich finde es unpassend, den Verzicht auf Tierische Produkte gleichzustellen mit dem was das Ende der Sklaverei (ob diese wirklich schon ein Ende hat, ist ein anderes Thema) bedeutete oder mit dem was die Feministen*innen erreicht haben. Wozu hat denn der Vegan-Hype bisher geführt? Geht die Massentierhaltung zurück? Soweit ich weiß, Nein! Ist absehbar das dies passieren wird? Unwahrscheinlich! Dafür gibt es immer mehr Konsumgüter im Veganen Sektor. Wurstriesen wie Rügenwalder, Wiesenhof, etc produzieren inzwischen Vegane Wurst. Und dieser böse Analog-Käse der vor ein paar Jahren für Empörung sorgte, da er offensichtlich auf sämtlichen TK-Produkten zu finden war, wird jetzt zu Wucherpreisen als Veganer Käse angepriesen. Die Liste von Veganen Ersatz-Produkten und Veganen Convenience Food ist endlos. Alles getoppt von Veganem Hunde- und Katzenfutter??? warum hält man sich als Veganer überhaupt Tiere? und dann verwehrt man diesen auch noch ihr “natürliches” Futter? Die Gewinner des Vegan-Trends sind nicht die Tiere sondern Lebensmittelkonzerne. Diese freuen sich über neue, klare Zielgruppen und neue Absatzmärkte! Klar, man könnte agumnetieren diese ganzen Ersatz-Produkte gar nicht zu nutzen und wirklich hauptsächlich Obst, Gemüse und Getreide zu verzehren. Aber woher kommt die ganze Pflanzenkost? Spanien? Italien? Vielleicht aus Afrika? oder Südamerika? wenn nicht sogar aus Neuseeland? und wie wird es gedüngt? Mit Glyphosat?! oder dann doch lieber mit natürlichem Tier-Dung? Ist das dann noch Vegan? Eine Landwirtschaft ohne Tiere ist ziemlich schwierig, nicht unmöglich, aber schwierig. An Tierhaltung wie sie z.B. an Demeter-Höfen umgesetzt wird, oder wie ich sie von den Bauernhöfen meiner Kindheit kenne, kann man doch kaum etwas aussetzen. Das eigentliche Problem liegt doch nicht im Fleischkonsum, sondern im Konsum an Sich. Es wird in unserer Gesellschaft einfach von Allem viel zu viel konsumiert! Fleisch, Milch aber auch Mode sind Güter dessen Konsum unbedingt reduziert werden muss! Hier wird weit über die Notwedigkeit hinaus konsumiert, DAS ist das PROBLEM!
    Die Vegan-Idee zuende gedacht hieße ja auch ein verzicht auf Wolle, Seide, Leder, Honig, viele Kosmetika und Pflegeprodukte und Medikamente. Wer soll denn Medikamente testen bevor sie für die Bevölkerung zugänglich gemacht werden? Mit welchen Materialien wollen wir Wolle ersetzen -Wolle, für mich das beste Material für Bekleidung überhaupt, vor Allem in Verbindung mit Seide- wollen wir dafür lieber ein auf Erdöl basierendes Polyirgendwas, welches kaum abbaubar ist und schon jetzt unsere Flüsse, Seen und Meere verschmutzt? Was ist mit Obstbäumen die von von Imker-Gehaltenen Bienen bestäubt werden? Wer soll den Rasen auf unseren Deichen kurz halten? oder auf der Alm? Wo hört Tiere Nutzen auf wo fängt das Ausnutzen an? Eine Welt ohne domestizierte Tiere ist kaum umsetzbar.
    Ich will nicht sagen, es sei falsch sich Vegan zu ernähren, aber eine gute Tat tut man damit nicht, und ein Weltverbesserer ist man damit noch weniger. Ob´s wirklich gesund ist wage ich auch zu bezweifeln, Gynäkologen z.B. raten schwangeren von einer veganen Ernährung gänzlich ab. Wer mag kann sich gerne Vegan ernähren, aber es gibt wirklich keinen Grund andere davon überzeugen zu wollen! Anders ist es mit einem Verzicht auf Massentierhaltung, das finde ich richtig und wichtig. Darüber sollten wir immer wieder Reden und damit darf man auch mal anderen auf die Nerven fallen.

    • Bina

      22 Mai

      In einigen Punkten stimme ich dir zu, in anderen leider nicht. Der Vergleich mit der Sklaverei und der Unterdrückung der Frauen mag für dich kein passender Vergleich sein, da du mit Sicherheit auf einen Unterschied zwischen den Lebewesen anspielst. Für mich ist es allerdings so, dass im Laufe der Menschheit grausame Dinge und Verhaltensweisen als richtig angesehen wurden, die wir (hoffentlich zumindest größtenteils) als absurd betrachten. Hier kann ich leider natürlich niemals global sprechen, aber sehr wohl von Deutschland. Auch der Fleischkonsum ist in Deutschland zurückgegangen, was man zum Teil auch dem Vegan-Hype zuschreiben darf. Für mich ist das ein positiver Schritt. Bei veganer Ernährung nur über die Fertigprodukte von eigentlichen Fleischproduzenten zu sprechen finde ich schlichtweg einseitig. Jede Ernährungsform sollte ausgewogen sein – so natürlich auch die vegane. Und dass man beim Kauf von Obst und Gemüse auf das Herkunftsland achten sollte, setze ich voraus. Als Fleischesser isst man doch im übrigen auch Gemüse und Obst, oder nicht? Und Fleisch wird auch aus anderen Ländern importiert, das betrifft nicht nur die nicht-tierischen Produkte. Ja, bei der veganen Lebensweise geht es auch im den Verzicht von weiteren Stoffen in Bezug auf Textil und Kosmetik. Wenn du dazu Informationen brauchst, gebe ich sie gerne an dich weiter. Polyester ist mit Sicherheit nicht die einzige Alternative, da kann ich dich beruhigen. Ohne belehrend klingen zu wollen, aber es scheint mir nicht, dass du dich sonderlich mit der veganen Lebensform auseinandergesetzt hast. Das sollte man tun, bevor man einen Lebensstil anprangert. Mittlerweile wird die vegane Lebensform übrigens als umweltfreundlichste Alternative betrachtet und da ich mich 14 Jahre lang “normal” und den rest vegetarisch/vegan ernährt habe, kann ich da vielleicht auf vom Wohlfühlfaktor einen Vergleich ziehen. Probier es doch erst mal aus, bevor du es gleich für dich ausschliesst. Genau darum geht es nämlich auch in meinem Text. Und dass man damit etwas Gutes tut, steht für mich ausser Zweifel. Weder ein glückliches noch ein gequältes Tier muss für mich sein Leben lassen – und das finde ich eigentlich ziemlich gut.
      Aber ich gebe dir auch recht, dass der Konsum allgemein zu hoch ist. Aber auch hier vollzieht sich langsam ein Wandel und die Leute denken mehr nach.
      Ich bin übrigens gerade schwanger und ernähre mich gerade nicht konsequent vegan – sondern vegan mit vegetarischen Aussetzern. Aber meine Ärztin hat mir nicht konsequent davon abgeraten, mir aber nahe gelegt, dass ich auf bestimmte Nährstoffe achten sollte. Für mich ist und bleibt die vegane Ernährung die beste Möglichkeit. Für mich und für die Umwelt und die Tiere. Da kannst du mir leider auch nichts anderes erzählen.

      • NeKa

        27 Mai

        Liebe Bina,
        das kam in meinem Kommentar wohl nicht richtig rüber, eigentlich möchte ich den Veganen Lebensstil als solchen gar nicht so sehr kritisieren, oder hier jemanden davon abbringen, ich bin leiglich der Meinung, dass man als Vegan Lebender Mensch keinen Heiligenschein verdient. Klar, man verhält sich “besser” als die jenigen, welche zu jeder Mahlzeit Fleisch essen und dann auch noch am besten das Billigiste. Man kann sich aber auch als Allesesser Umweltfreundlich, Nachaltig, Menschen- und Tierfreundlich ernähren. Schau dir z.B. die Fleischerei “Kumpel&Keule” in Berlin an. Die schauen sich genau an, wie und wo die Tiere leben, die sie verarbeiten. Außerdem nutzen die wirklich alles, was ein Tier so her gibt und schneiden sich nicht nur die Hüftsteaks heraus. Es gibt immer mehr Projekte, bei denen ganz genau auf das Tierwohl geachtet wird, ob nun zur Fleischproduktion oder zur Milchproduktion. Ich finde, Leute die solche Projekte unterstützen indem sie dort ihre Lebensmittel kaufen, machen nichts falsch, eher im Gegenteil. Es gibt eben viele Wege sich “gut” zu ernähren und in der veganen Lebensweise eben auch viel was man “falsch” machen kann, wie z.B. die Vegan-Wurst von Wiesenhof und Glyphosatverseuchtes Gemüse aus Südamerika zu kaufen, oder mit seinen Hightech-Ausgerüsteten Outdoorklamotten die norwegische Tundra verschmutzen. Vegan leben heißt eben nicht das man automatisch alles “richtig” macht. Ja, ich verstehe sehr gut, dass man Tiere nicht essen möchte, mache ich auch schon seit 20 Jahren nicht mehr, aber für die die es möchten gibt es genug Möglichkeiten dies zu tun, ohne dabei ein Unmensch zu sein!

  6. Olga

    20 Juni

    Dieses Thema bietet einen sehr großen Raum zur Diskussion, aber in einem Punkt nicht und das ist die vegane Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit. Fakt ist das Veganer einen Vitamin B12 mangel haben, dies ist so, da man Vit B12 hauptsächlich über tierische Produkte zu sich nimmt. Unser Körper ist selber nicht in der Lage Vitamine herzustellen, d.h. wir sind drauf angewiesen Vitamine mit der Nahrung aufzunehmen. Vitamin B12 oder auch Cobalmin ist z.B. wichtig für die Blutbildung, das Wachstum, Zellteilung, Zellreifung etc. also ein extrem wichtiges Vitamin, nicht nur in der Schwangerschaft und Stillzeit, aber vor allem dann. Im Alter von vier bis sechs Monaten entwickelten Kinder von Veganerinnen, die sich lediglich 3 Jahre vegan ernährt hatten, einen Vitamin-B12Mangel. Fälle neurologischer Schädigungen bei voll
    gestillten Säuglingen, deren Mütter sich vegan ernährten, sind dokumentiert. Schwangere
    und stillende Veganerinnen sowie deren Kinder sollten deshalb dringend Vit. B12
    supplementieren. Auch die Zufuhr von Jod, Zink und omega 3 Fettsäuren sind sehr gering bei veganer Ernährung. Ich denke das die Gesundheit von Kindern vorgeht, ich hoffe sehr liebe Bina das deine Gynäkologin dich gut beraten hat und sie deinen Vitamin B12 Wert im Blick hat.

    • Bina

      20 Juni

      Liebe Olga, deine Bedenken sind in meinem Fall überflüssig, da ich mich während der Schwangerschaft bis jetzt vegetarisch ernährt habe und auch auf meine Ernährung und Zusätze achte. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt, dass man sich auch während der Schwangerschaft vegan ernähren kann – ohne dass das Kind und die Mutter an Mangelerscheinungen leiden muss. Es ist alles eine Sache der richtigen Information. Weil ich allerdings gerade am Anfang mit Übelkeit zu kämpfen hatte, bin ich direkt wieder auf teilweise vegetarische Ernährung umgestiegen. Ich fühle mich wohl und habe sehr gute Werte. Also alles bestens. Da ich mich mit komplett veganer Ernährung während der Schwangerschaft gar nicht erst auseinandergesetzt habe, bin ich hier also die falsche Ansprechpartnerin. Aber da könnten dir andere bestimmt auch gute Gegenbeispiele nennen.

  7. Olga

    21 Juni

    Das ist doch gut, dass du deine Werte im Blick hast und hoffentlich auch weiter im Blick behälst. Ich bin im medizinischen Bereich beruflich tätig, und habe in einer Fortbildung gelernt, dass eine rein Vegankost in der Schwangerschaft ohne Ergänzungsmittel nicht empfehlenswert ist, ais oben genannten Gründen. Ich denke, dass jeder Veganer regelmäßig eine Blutbild kontrolle machen sollte, damit Mangelerscheinungen schnell behoben werden können. Mir lag es einfach nur auf dem Herzen einer schwangeren Frau von möglichen Folgen einer Mangelernährung zu berichten, denn wenn es um die Gesundheit von Kindern geht, wäre es doch sehr fahrlässig nicht zu handeln. Alles Gute für deine Schangerschaft.

  8. Sandra

    9 April

    Liebe Bina!

    Ich hab dich und deinen Blog gerade erst entdeckt und lese mich jetzt von Post zu Post 😉

    Danke für deine Aufklärungsarbeit! Ich stimme dir in jeglichen Punkten zu und kann absolut mit dir mitfühlen. Durch den Einfluss von Bloggern wurde auch ich (und in Folge dessen mein Freund) Vegan und wir sind unglaublich zufrieden und glücklich mit dieser Entscheidung.
    Ich bin der Meinung, dass wenn man Wissen hat – man es auch teilen sollte. Natürlich trifft man gerade in diesem Bereich immer wieder auf Gegenwind und zwar oft heftig und durchaus unfreundlich. Trotzdem bin ich dankbar für Menschen wie dich, die doch so vielen den ersten Denkanstoß geben.

    Danke!
    Lg Sandra

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