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WIE BEWAHREN WIR UNS UNSERE FREIHEIT // EIN LEBEN ...

WIE BEWAHREN WIR UNS UNSERE FREIHEIT // EIN LEBEN NACH DEN ANSCHLÄGEN IN PARIS

Paris Attentat01Wie soll man die richtigen Worte finden, wenn man die Ereignisse am liebsten mit Ruhe bekämpfen möchte, Stille und Leere empfindet angesichts der Tatsache, dass in den letzten Tagen einige Menschen in Paris ihr Leben lassen mussten und auch die Freiheit (und Pressefreiheit) in unserer Welt bedroht wurde? Und die Geschehnisse sind für mich nicht mal so klar, wie es für manche scheint.

Fakt ist, dass 12 Menschen brutel getötet wurden. Dass im Laufe der Tage weitere Menschen ihr Leben lassen mussten und in Paris natürlich mit Feuereifer nach Verdächtigen gesucht wurde. Fakt ist auch, dass Charlie Hebdo mit seinen Mohammed Karikaturen viel Groll auf sich zog. Die Debatte, ob dies erlaubt sei oder eine Beleidigung an den Islam wird wohl nie ausgefochten sein. Man muss wie immer beide Seiten betrachten. In Frankreich lehnt man Religion eher ab, fühlt sich seit der Französischen Revolution, als hätte man das Volk von der Religion befreit und bei Charlie Hebdo war man der Ansicht, dass Staat und Religion strikt getrennt sein müssen. Auf der anderen Seite steht die – für viele eher konservative – Ansicht vieler Muslime, die sich durch solche Karikaturen beleidigt fühlten. Es ist definitiv keine Rechtfertigung für die Geschehnisse und das darf es auch nie sein. Eine freie Meinung ist etwas, was unsere Gesellschaft ausmacht. Es ist ein Gut, das durchaus auch vertreidigt werden muss. Aber nicht mit überschnellen Handlungen, Gesetzesentwürfen und falscher Panikmache.

Ich bin mir sicher, dass nicht alle Wahrheiten aus Paris jemals an die Öffentlichkeit kommen werden und ich hoffe, dass sich viele selbst ein Bild von den Geschehnissen machen und verschiedenste Quellen lesen – was natürlich auch nie die 100%ige Wahrheit bringen wird. Aber man muss hier einfach zwischen Islam und radikalen Islamisten unterscheiden. Und man muss auch differenzieren, wenn der radikale Islamist vorschnell zum Sündenbock gemacht wird. Dass Terror in der Welt nichts zu suchen hat und ich solche Menschen verachtenswert finde, soll an dieser Stelle selbstverständlich sein, muss aber noch mal geäußert werden, damit meine Aussagen nicht falsch verstanden werden können.

Für mich stellt sich aber nun die Frage, was unsere Politiker mit den Geschehnissen anfangen und wie diese für ihre Interessen nutzen. Es wird nun beratschlagt und an Gesetzesentwürfen gebastelt. Einer davon ist die Vorratsdatenspeicherung, die aus unserem System aber eine Art Überwachungsstaat macht und ein noch größerer Einschnitt in unsere Freiheit bedeutet. Freiheit bedeutet eben auch ein gewisses Risiko. Freiheit beruht auf Vertrauen und Offenheit. Nicht auf Angst, Panik und Ausgrenzung.

Gerade nach solch dramatischen Geschehnissen sollte man ein Zusammengehörigkeitsgefühl zeigen. Wir sind eine multikulturelle Gesellschaft und müssen gemeinsam mit den Muslimen einen Weg finden, den Islam auch in unsere Gesellschaft zu integrieren. Dazu gehören Schritte von beiden Seiten. Was passieren kann, wenn man eine Gruppierung von Menschen zum Feindbild erklärt, sollten gerade wir mit unserer Geschichte gelernt haben.

Es ist nun von ganz Europa Mut und Offenheit gefordert, damit das Gut der Freiheit bewahrt werden kann. Rache und Panik werden nichts mehr ändern. Nur durch Integration kann soetwas verhindert werden und das sollte sich jeder bewusst machen und mit offenen Augen durch die Welt gehen.

Mich haben die Ereignisse sehr geschockt und ich habe in den letzten Tagen viel gesehen, gelesen und diskutiert, bin aber immer noch nicht von den Informationen befriedigt. Wie geht es euch? Lasst uns darüber sprechen, was das mit euch gemacht hat. Genau das ist es, was nun gebraucht wird, eine offene Diskussion.

xxbina


  1. Brigitte

    11 Januar

    Ich würde mich nicht zu sehr von Verschwörungstheorien kirre machen lassen. Bei jedem Attentat, gibt es immer tausende von “Beweise” daür, dass die Täter in Wahrheit ganz andere waren als die (wahlweise) “Systemmedien” oder “Lügenpresse” schreiben.

    Ich finde es bedauerlich, dass Chalie Hebdo-Redaktion zur Zeit als ausgemachte Islamkritiker dargestellt werden. Der Satirezeitung war wirklich keine Religion heilig und sie haben den Finger in viele schmerzenden Wunden gelegt.

    Wichtig ist, dass wir den Terror nicht gewinnen lassen und jetzt immer die “Schere im Kopf” zücken, bevor wir unsere Meinung niederschreiben. Ich finde es verachtenswert, dass in den USA viele Medien die Charlie Hebdo-Karikaturen nur noch verpixelt zeigen.

    Satire ist wichtig und muss wehtun.

    • Bina

      12 Januar

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich denke auch nicht, dass man Verschwörungstheorien immer den Vorzug geben sollte, aber ich denke, dass man Berichterstattung auch nicht sofort immer Glauben schenken darf und soll. Aus verschiedenen Quellen möglichst viel Informationen holen und dann muss man wohl oder übel sich seine eigene Meinung bilden. Eine 100%ige Wahrheit gibt es wohl so gut wie nie.

      Ich finde es auch wichtig, dass Satire an dieser Stelle nicht in Frage gestellt wird und dass es natürlich in keinster Weise ein “Grund” sein kann für so eine Tat. Auch für Leute, die Satire nicht verstehen. Und dass der Terror nicht gewinnt, muss in unseren Köpfen beginnen. Deswegen war mir das Thema Freiheit und Offenheit an dieser Stelle wichtig. Vorschnelle Panikmache hat noch niemanden etwas genützt. Und damit ist nicht gemeint, dass Achtsamkeit nicht wichtig ist. Wenn wir mehr aufeinander achten würden und man mit mehr Offenheit aufeinander zugeht, dann lösen sich viele Probleme von selbst.

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