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Wir werden dich nie vergessen, Sharin!

Wir werden dich nie vergessen, Sharin!

Achtung: Hier geht es um einen Suizid. Wenn ihr Suizidgedanken habt, wendet euch bitte an eine vertraute Person oder ruft eine Hotline an!

Es ist mittlerweile über eine Woche her, dass ich eine furchtbare Nachricht bekam, die ich erst nicht glauben konnte und die mich dann nicht wieder losgelassen hat. Die letzte Woche war dann ein einziges Auf und Ab der Gefühle. Aber geprägt von einer Trauer um einen jungen Menschen, der ein unvorstellbares Schicksal ertragen musste. Ich möchte euch heute hier die Geschichte von Sharin erzählen. Sie hat mich verändert, dabei habe ich sie nicht mal persönlich getroffen. Wir hatten lediglich über Telefonate, Sprachnachrichten und einen WhatsApp-Chat Kontakt. Trotzdem hat mich Sharin von der ersten Sekunde an berührt.

Wer mit Sharin engeren Kontakt hatte, hat von einer unglaublichen Stärke gesprochen. Und das war sie auch. Gebrochen und doch so stark.

Einige von euch wissen, dass ich mich ehrenamtlich im Tierschutz betätige. Der Fall eines Hundes begleitet mich nun seit mehr als einem Jahr und ist ebenfalls ein sehr trauriges Schicksal. Unser Oscar (so hiess damals Tyson) hat einige hundert Adoptionsanfragen bekommen, als er noch ein Junghund war. Unter vielen Zuschriften haben wir uns für eine Familie entschieden, die eine besonders nette Anfrage gestellt hat. Nach positiver Vorkontrolle wurde Tyson also dorthin vermittelt. Aber nach einigen Monaten hat sich die Familie abrupt und ohne wirklich ersichtlichen Grund wieder von Tyson getrennt. Damit begann sein Martyrium. Er wurde von Stelle zu Stelle gereicht, durfte aber nie richtig ankommen. Immer wieder waren wir auf der Suche nach einem Platz für den jungen Rüden.

Als er eigentlich wieder eine Endstelle gefunden hatte, dort aber nur der Buhmann der Familie war, brauchten wir dringend eine neue Stelle. Im Tierschutz können wir nicht immer wählen, wenn die Hunde quasi vor die Tür gesetzt werden, deswegen war uns auch eine Pflegestelle recht. In dieser Situation lernte ich Sharin kennen.

Ich dachte, dass sich hier zwei geschundene Seelen vielleicht gegenseitig retten können.

Ich bekam damals einen Anruf von einer unserer Pflegestellen. Sie hat eine Freundin, die Tyson als Pflegestelle kurzfristig aufnehmen könnte. Bei einem Telefonat stellte ich Sharin ein paar persönliche Fragen zu ihrer Lebenssituation und erfuhr so, dass ihre Tochter umgebracht wurde. Diese Aussage machte mich bestürzt und fassungslos. Ich konnte diesen Satz erst gar nicht glauben. Im Anschluss des Gesprächs recherchierte ich ein wenig und fand sofort einige Zeitungsartikel zu ihrer Aussage.

Was ich dort las, konnte ich gar nicht glauben. Von solchen Schreckensnachrichten liest man normalerweise nur, aber kommt damit nicht direkt in Berührung. Der eigene Kindsvater war für den grausamen Tod von Sharins Tochter verantwortlich. Sie hatte ihm ihre Tochter anvertraut und nichts deutete darauf hin, dass so eine schreckliche Tragödie passieren könnte.

Sharins Leben muss danach eine einzige Qual gewesen sein.

Ich bin selbst Mutter und kann mir die Schmerzen, die sie ertragen musste nicht mal ausmalen. Ihre Freundin sagte letzte Woche zu mir, dass sie seitdem nur noch eine Hülle war. Sharins Mutter erlag dann auch noch einer schweren Krankheit und sie verlor komplett den Halt in ihrem Leben. Dennoch wollte sie uns mit Tyson helfen. Und in mir keimte die naive Hoffnung auf, dass sich hier vielleicht zwei geschundene Seelen gegenseitig retten könnten.

Zunächst sah es auch danach aus. Tyson kam an. Sharin verliebte sich in den Hund, der starke Verlustängste hat. Sie sagte mir öfters am Telefon, dass sie darüber nachdachte, Tyson ein Für-Immer-Zuhause zu schenken. Es kam leider anders. Tysons Verlustängste waren wohl so stark, dass er nicht alleine bleiben konnte und lautstark auf sich aufmerksam machte. Die Nachbarn beschwerten sich und Sharin verlor nun auch noch ihre Wohnung.

Sie betitelte sich selbst in dieser Situation noch als Optimistin.

Tyson sollte also nun wieder vermittelt werden. Als ich zu Sharin sagte, dass es mir leid tut, in welcher Situation sie nun ist, sagte sie mir, dass sie sich mehr um Tyson sorge und sie glaubt, dass sie schon wieder eine neue Wohnung finden werde. Sie meinte, sie ist eine alte Optimisin. Ich habe die Situation unterschätzt. Und nicht damit gerechnet, was ein paar Tage später Gewissheit werden würde. Sharin nahm sich das Leben. Sie folgte ihren Liebsten.

Ich könnte immer noch sofort weinen, wenn ich an sie denke. An all ihre Qualen. Man muss fast froh für sie sein, dass sie nun loslassen konnte. Trotzdem ist dieser Beigeschmack so schrecklich bitter. Es ist ein Drama, das man sich so fast gar nicht ausdenken kann.

Auch aus dieser Geschichte soll ein wenig Licht entwachsen.

Warum erzähle ich euch diese schreckliche Geschichte? Weil Sharin es wert ist, dass man über sie Bescheid weiss. Weil man seine Liebsten angucken und dankbar sein sollte, dass es sie gibt. Weil Sharin trotz ihres Schicksals an andere gedacht hat und nun nach ihrem Tod auch viele an sie denken.

Der Bruder und Angehörige sowie Freunde der Familie haben eine Aktion ins Leben gerufen, um Sharins letzten Wunsch zu erfüllen. Sie möchte bei ihrer Tochter begraben werden. Doch leider mangelt es an finanziellen Mitteln für eine angemessene Beerdigung. An dieser Stelle bitte ich euch, euch hierfür mit einer kleinen Spende zu beteiligen. Sie hat es mehr als verdient:

IBAN: DE8433 4500 0010 4053 6888

BIC: WELADED1VEL

Spendenkonto Sharin

Tyson hatte Glück im Unglück

Tyson war bei ihr, als sie den Entschluss gefasst hat, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Er wurde mit Schlingen aus der Wohnung gefüht und kam ins Tierheim. Durch den großartigen Einsatz ihrer Freundin, wurde Tyson aber direkt am Montag dort wieder rausgeholt. Eine weitere Freundin von Sharin nahm ihn zu sich und kümmerte sich um ihn. Nun wurde Tyson adoptiert. Er kam am Wochenende nach Hamburg und soll nie wieder weitergereicht werden. Ich denke, diese Nachricht hätte Sharin gefreut.

 

 


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